Die Karausche ist Fisch des Jahres 2027
Der Deutscher Angelfischerverband e.V. (DAFV) hat gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Gesellschaft für Ichthyologie e.V. (GfI) das Ergebnis der öffentlichen Online-Abstimmung bekannt gegeben: Die Karausche (Carassius carassius) ist Fisch des Jahres 2027!
Bei der Abstimmung sicherte sich der friedliche Karpfenfisch mit 59,07 % der insgesamt 8.200 gültigen Stimmen den Sieg deutlich vor dem Flussneunauge (24,77 %) und dem Nordseeschnäpel (16,16 %). Bereits im Jahr 2010 trug die Karausche diesen Titel – doch ihre Lage in unseren Gewässern hat sich seither kaum verbessert.
Überlebenskünstler mit Alkoholfabrik im Blut
Die Karausche ist ein faszinierender Süßwasserfisch, der vor allem flache, stark krautige Weiher, Teiche und Altarme besiedelt. Typisch für sie ist der hochrückige, goldbraun bis messingfarbene Körper mit großflächigen Schuppen. Im Vergleich zum Karpfen fehlen der Karausche jegliche Barteln. Typischerweise erreichen die Fische eine Länge von 20 bis 35 cm (Rekordmasse liegen bei bis zu 64 cm).
Besonders beeindruckend ist ihre Anpassungsfähigkeit an extreme Lebensbedingungen:
- Überleben ohne Sauerstoff: Im Winter kann die Karausche mehrere Monate in nahezu völlig sauerstofffreien, zugefrorenen Gewässern überleben.
- Ausfeilte Biochemie: Wenn der Sauerstoff knapp wird, stellt sie ihren Stoffwechsel um. Statt schädlicher Milchsäure produziert ihr Körper Ethanol (Alkohol), den sie einfach über die Kiemen ins Wasser abgibt.
Warum steht die Karausche auf der Roten Liste?
Trotz ihrer zähen Natur gilt die Karausche nach der bundesweiten Roten Liste als stark gefährdet, in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen sogar als vom Aussterben bedroht. Die Gründe dafür treffen auch uns Angler direkt:
- Schwund von Kleingewässern: Naturnahe Teiche, verkrautete Gräben und Altarme verlanden, werden zugeschüttet oder durch Eutrophierung (übermäßigen Nährstoffeintrag) entwüstet.
- Gefahr von Verwechslung und Verdrängung: Der gebietsfremde Giebel (nach 1945 verbreitet) sowie verwilderte Goldfische aus Gartenteichen machen der Karausche den Lebensraum streitig. Beide Arten hybridisieren mit der Karausche – genetisch reine Bestände werden dadurch immer seltener.
Steckbrief: Karausche auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name: Carassius carassius
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
- Größe: meist 20–35 cm (selten über 50 cm)
- Nahrung: Zooplankton, Insektenlarven, Kleinkrebse, Würmer, pflanzliches Material
- Laichzeit: Mai bis Juni (Krautlaicher an Wasserpflanzen)
- Gefährdungsstatus: Stark gefährdet (Rote Liste Deutschland)
Was bedeutet das für uns Angler und Vereine?
Die Wahl der Karausche unterstreicht die enorme Bedeutung von Gewässerschutz an Kleingewässern. Angelvereine tragen als Pächter und Bewirtschafter kleine Stillgewässer eine direkte Verantwortung:
- Lebensräume erhalten: Schutz und Neuanlage von Flachwasserzonen und Krautbetten.
- Vorsicht beim Besatz: Ein Besatz ist nur mit genetisch nachgewiesenen, reinen Karauschen sinnvoll und nur dort, wo der Lebensraum intakt ist.
- Achtsamkeit am Wasser: Goldfische gehören niemals in freie Gewässer entsorgt! Zudem gilt es, Giebel und Karausche sauber zu unterscheiden (Karauschen haben u.a. eine nach außen gewölbte Rückenflosse und ein helles Bauchfell).
Quelle & weitere Details: Deutscher Angelfischerverband e.V. (DAFV)
